Die Zunft

Ein Handwerk, das Schaffhausen geprägt hat

Die Metzger zählten zu den vermögendsten und politisch einflussreichsten Handwerkern Schaffhausens. Zur Metzgerzunft gehörten Metzger, Wurstmacher und Ärzte, insbesondere Feldärzte und Chirurgen. Ihre Geschichte ist Teil der Stadtgeschichte – vom Münzrecht 1045 über die Bruderschaften bis zur Zunftverfassung von 1411.

Stationen der Zunftgeschichte

Sechs Jahrhunderte in wenigen Daten – jedes von ihnen hat die Zunft und die Stadt verändert.

  1. 1309

    Der erste Schlachthof

    Am Fronwagplatz entsteht der erste Schlachthof der Stadt Schaffhausen. Das Metzgerhandwerk erhält damit erstmals einen festen Ort im Herzen der Altstadt.

  2. 1411

    Die Schaffhauser Zunftverfassung

    Am 12. Juli schliessen sich die Handwerker der Stadt zu zehn Zünften zusammen. Die Metzger zählen von Beginn an zu den einflussreichsten unter ihnen.

  3. 1472

    Widerstand gegen die Preisvorgaben

    Als die Obrigkeit die Fleischpreise vorschreibt, protestieren die Metzger und verweigern vorübergehend die Lieferung – ein selbstbewusstes Kapitel städtischer Geschichte.

  4. 1510

    Die Metzgerstube wird Zunftlokal

    Am Fronwagplatz 7 findet die Zunft ihr Haus. Die Metzgerstube ist seither Ort der Zusammenkunft, der Beratung und des Zunftbotts.

  5. Heute

    Tradition als Verein gepflegt

    Die Zunft ist heute ein Verein: Sie hütet Zunftsilber und Zunftbecher, singt das Metzgerlied und führt ihre Anlässe durch das Jahr.

Die Metzger am Fronwagplatz

Schlachthaus auf dem Fronwagplatz

Die Metzger zählten zu den vermögendsten und politisch einflussreichsten Handwerkern der Stadt. Zur Metzgerzunft gehörten Metzger, Wurstmacher und Ärzte, insbesondere Feldärzte und Chirurgen.

Mitten auf dem Fronwagplatz befand sich der erste Schlachthof der Stadt Schaffhausen. Dies geht aus einer Urkunde aus dem Jahre 1309 hervor. Sämtliche Verkaufsstände der Metzger reihten sich diesem an. Für die Kundschaft war es äusserst praktisch, dass sich alle Stände desselben Gewerbes nebeneinander befanden und erst noch so zentral gelegen waren.

Warum der Schlachthof verlegt wurde

Doch immer wieder gingen Klagen ein über die Kuttelwäscher, welche den mit Blut verschmutzten Brunnen nicht regelmässig reinigten. Zudem war die Lage des Schlachthofes denkbar ungünstig, da es nicht genügend fliessendes Wasser gab, um die Schlachtabfälle wegzuspülen. Deshalb wurde ein neues Schlachthaus auf dem Herrenacker erbaut.

Kein Fleisch für Schaffhausen

Da Mitte des 15. Jahrhunderts sämtliche Verkaufsstände in den Besitz der Stadt übergingen, hatte diese von da an ein einfaches Druckmittel, um Weisungen durchzusetzen. Doch nicht immer mochten sich die Metzger diesen fügen. Als 1472 die Fleischpreise jenen von Konstanz angepasst werden sollten, liessen die Metzger die Stadt Schaffhausen kurzerhand eine Zeit lang ohne Fleisch.

Vom Haus zum Steinbock in die Metzgerstube

Im 14. und 15. Jahrhundert war das Zunfthaus das Haus zum Steinbock an der Oberstadt 16. 1510 wurde das neue Zunftlokal bezogen, die heutige Metzgerstube am Fronwagplatz 7. Dieses wurde erst 1857 verkauft. Heute befindet es sich wieder im Besitz eines Metzgerzünfters.

Die ausführliche Geschichte der Zunft – vom Münzrecht 1045 über die Bruderschaften bis zum Ende der Zunftherrschaft – sowie das Verzeichnis aller Zunftmeister finden Sie unter Geschichte.

Wappen der Zunft zun Metzgern mit schreitendem Widder
Zunftwappen der Zunft zun Metzgern: schreitender Widder in Gold.

Der schreitende Widder

Im Schild der Zunft schreitet ein Widder. Er ist das älteste Sinnbild des Metzgerhandwerks: das Tier, das dem Menschen Nahrung gibt, und gleichzeitig ein Zeichen von Kraft, Beharrlichkeit und Erneuerung.

Der Schritt des Widders ist bewusst gewählt. Er steht nicht still und stürmt nicht voran, sondern geht ruhig weiter – so wie die Zunft ihr Erbe von Generation zu Generation weiterträgt.

Das Wappen begleitet uns bis heute: auf Fahne und Zunftbecher, über dem Eingang der Metzgerstube und auf der Etikette des Zunftweins.

Die Zunftfamilien

Vierundzwanzig Geschlechter tragen die Zunft zun Metzgern durch die Jahrhunderte – vom ersten Eintrag der Meyer im Jahr 1286 bis zu den Wirth und Schmid im 20. Jahrhundert. Die Jahreszahl nennt die erste belegte Zugehörigkeit zur Zunft.

  • Meyer1286
  • Fehrlin1370
  • Altdorfer1424
  • Beck1426
  • Öchslin1449
  • Bäschlin1451
  • Ermatinger1453
  • Moser1470
  • Rauschenbach1524
  • Habicht1525
  • Schelling1538
  • Spleiss1540
  • Ulmer1540
  • Weber1540
  • Stierlin1540
  • Siegeristum 1550
  • Pfister1565
  • Bendel1575
  • Vollmar1835
  • Brütsch1837
  • Kunkler1841
  • Stoll1841
  • Wirth1954
  • Schmid1963
Gemalte Wappentafel der Zunft zun Metzgern in Schaffhausen 1286–2006 mit den Wappen der vierundzwanzig Zunftfamilien
Wappentafel der Zunft zun Metzgern in Schaffhausen, 1286–2006: die Wappen aller Zunftfamilien in der Reihenfolge ihres ersten Eintrags.

Familienwappen-Tafel

Unser ehemaliger Silberherr Michael Habicht, also der Hüter des Zunftsilbers, hat keinen Aufwand gescheut. Er hat sich ganz intensiv mit den Familienwappen unserer Zunft auseinandergesetzt und diese auf einem wunderschönen Ölbild verewigt.

Ein riesen Dankeschön für diese immense Arbeit und ein grosses Kompliment für die höchst gelungene Umsetzung.

Zunftspruch

Unser Widder, der im Schild der Metzger schreitet,

ist dem Bürgerwappen zu verwandt.

Darum lasst auch unsre Herzen sich befreunden,

liebend drücken wir der ganzen Bürgerschaft die Hand.

Landesspruch, Stadtspruch und der Spruch auf dem Prunkpokal stehen unter Zunftspruch.