Geschichte

Ohne Tradition keine Zukunft

Ohne Tradition keine Zukunft! – unter diesem Leitsatz pflegt die Zunft zun Metzgern ihr Erbe. Hier finden Sie die Zunft in der Stadtgeschichte, das Verzeichnis aller Zunftmeister seit 1490 und den Rückblick auf das Jubiläumsjahr 2011.

Die Zunft in der Stadtgeschichte

Die Geschichte der Zunft zun Metzgern zu Schaffhausen ist Teil der Stadtgeschichte: vom Münzrecht 1045 über die Bruderschaften bis zur Zunftverfassung von 1411.

Münzrecht und Aufschwung ab 1045

Am 10. Juni 1045 erhielt der Marktort «Scafhusun» vom deutschen Kaiser Heinrich III. das Münzrecht. In der Stadt herrschte Freiheit, und sie zog daher schon bald zahlreiche Handwerker an. Schaffhausen erlebte im Hochmittelalter einen gewaltigen Aufschwung.

Von den Bruderschaften zur Zunft

Um auch in der Politik eine Rolle zu spielen, schlossen sich die freien Bürger zunächst zu religiösen Bruderschaften zusammen. Denn ein Richtbrief aus dem Jahr 1281 verbot die Zünfte noch: Sie bedrohten die Alleinherrschaft von Adel und Kirche. Der Sieg der Zünfte war aber unaufhaltsam. In Zürich setzten sie sich 1336 durch, in Konstanz 1342.

Auch in Schaffhausen liess sich diese Entwicklung nicht aufhalten. Bereits 1367 hatten die Bruderschaften 30 der 60 Ratssitze inne. Der Adel erlitt in den Schlachten bei Sempach und Näfels schwere Verluste gegen die Eidgenossen und war dementsprechend auch politisch geschwächt. Nun setzten die Handwerker ihre Forderungen durch. 1387 erzielten die Bruderschaften einen bedeutenden Erfolg: In den Grossen Rat mit 60 Mitgliedern konnte nun jeder gewählt werden. Damit war der Adel zur Bedeutungslosigkeit herabgesunken.

Die Zunftverfassung von 1411

Am 1. Juli 1411 wurde den Schaffhausern von Friedrich von Österreich die Bildung von Zünften gestattet. Es wurden 11 Zünfte gebildet und die Herrenstube. Anstelle eines Vogtes trat nun ein Bürgermeister.

Die 12 Zusammenschlüsse wählten ihren Zunftmeister, also den Vorsteher der Zunft, und einen weiteren Mann aus ihren Reihen, einen der «Sechser». Diese 24 Gewählten bildeten den Kleinen Rat von Schaffhausen. Weitere gewählte «Sechser» bildeten den Grossen Rat.

Die Zünfte als Gericht und als Heer

Eine Gewaltentrennung existierte nicht, denn die Zünfte bildeten auch die Gerichtsbarkeit. Das Blutgericht, auch Vogtgericht genannt, bestand aus 12 Mitgliedern der Zünfte. Das Schultheissengericht für niedere Streitfälle bestand aus 12 Zunftmitgliedern und 8 vom Grossen Rat Gewählten. Das Resultat: Die Zünfte beherrschten Wirtschaft und Politik vollständig.

Auch militärisch spielten die Zünfte lange eine Rolle. Sie bildeten die taktischen Einheiten des Schaffhauser Heeres. Jeder Zünftige hatte Waffen und Harnisch zu Hause in Bereitschaft zu halten.

Ämterjagd, Eid und Lossystem

Mit der Zeit kam das «Praktizieren» auf. Man versuchte, durch Geldgeschenke und Ähnliches zu lukrativen Ämtern zu gelangen. 1618 wurde daher ein Eid eingeführt. Der Anwärter hatte zu schwören, dass er ohne Bestechung zum Amt gekommen war. Um den Zuwachs von Neubürgern zu verhindern, wurden die Einkaufsgebühren in die Zünfte ins Unermessliche gesteigert. Das korrupte System flog 1689 auf und wurde in der Folge durch ein Lossystem ersetzt.

Eine frei werdende Stelle wurde unter den Zünften verlost. Ausserdem musste der glückliche Kandidat einen reichen Bürgen stellen. Das führte dazu, dass auch Unfähige in Ämter gelangten. Einige Amtsinhaber begannen, ihr Amt gegen Bezahlung an den Meistbietenden zu überlassen. Der Ämterkauf wurde zum Ämterverkauf.

Das Ende der politischen Vorherrschaft, 1798 bis 1847

Erst die Revolution von 1798 machte der politischen Vorherrschaft ein Ende. Wirtschaftlich machten die Zünfte unentwegt weiter. Die Helvetik verschwand bald aus der Schweiz, und die alten Zustände wurden teilweise wiederhergestellt. Die Zünfte und Gesellschaften waren wieder Wahlkörper. Der Kleine Rat bestand aus je einem Vertreter der 12 Zusammenschlüsse und 4 weiteren Vertretern aus ihren Reihen. 4 Sitze erhielt Stein am Rhein. Die Landgemeinden hatten nur im Grossen Rat Einsitz.

1831 wurde die neue Verfassung eingeführt. Doch schon 1834 wurde der Grosse Rat in freier Wahl bestimmt. Die Zünfte verloren daher stark an Bedeutung. 1847 verschwanden die Zunftversammlungen endgültig.

Quellen: M. und T. Harzenmoser: Zünfte und Gesellschaften der Stadt Schaffhausen, S. 10 und 11 · R. Lang und A. Steinegger: Geschichte der Zunft zun Metzgern in Schaffhausen, S. 18, 23 und 118

Das Wort von Alt-Zunftmeister Johannes Ermatinger

Von 1411 bis zum Ende der Privilegien

Die Zunftordnung von 1411 übertrug den Schaffhauser 12 Zünften und Gesellschaften die Rechte und Pflichten für die Entwicklung ihrer Vaterstadt. Diese Aufgabe wahrten sie bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts. Mit der Gründung des neuen Bundesstaates gingen sie dieser Privilegien jedoch verlustig.

Damit schwand auch das traditionelle Zunftleben, das sich zum grossen Teil in den Trinkstuben der Zunfthäuser abspielte. In der Folge verscherbelten die Schaffhauser Zünfte grösstenteils ihre Zunfthäuser. Das Zunftleben beschränkte sich während langer Zeit auf die Verwaltung des dadurch erworbenen Zunftvermögens.

Die Rückbesinnung

Diese Haltung hat sich zum Glück geändert. Man wurde sich wieder bewusst, dass das Heute nicht ohne das Gestern sein kann und die Neuzeit nicht ohne ihre bis ins Mittelalter reichenden Wurzeln.

Als Dank an unsere Vorfahren gilt es deshalb, das Zusammengehörigkeitsgefühl innerhalb der Zunft und das Zunftleben in bescheidenem Rahmen nicht nur zu pflegen, sondern auch lebendig zu erhalten. So finden auch zukünftig, wie in den letzten Jahren, immer wieder die Söhne unserer Metzgerzünfter den Weg zu uns in die Metzgerzunft.

Unsere Anlässe

Aus diesem Grund hat die Schaffhauser Metzgerzunft ihre bisherigen Anlässe um einen weiteren erweitert. Bisher waren dies der jährliche Bott, die Zunftversammlung nur für die Zünfter, sowie die Herbstwanderung, die sich mit einer Schifffahrt abwechselt. Neu dazugekommen ist das Winteressen, zu dem auch die Witwen und ledigen Töchter eingeladen werden.

Johannes Ermatinger, Alt-Zunftmeister

Verzeichnis der Zunftmeister

Das Verzeichnis führt die Zunftmeister auf, also die Vorsteher der Zunft zun Metzgern, von 1490 bis heute.

Zunftmeister der Zunft zun Metzgern von 1490 bis heute
AmtszeitName
1490/1501Hans Pfister
1532Georg Hildebrand
1565Georg Hildebrand
1594Daniel Forrer
1594Hans Ulrich Hageloch
1608Hans Thomas Habicht
1611Hans Konrad Weber
1616Michael Hagelloch
1616Hans Martin ForrerBürgermeister 1629 bis 1638, spendete den Forrer Becher 1630
1629Hans Ulrich Hageloch
1629Emanuel Stimmer
1629Jakob Siegrist
1645Melchior Pfister
1646Heinrich Kuhn
1652Loy oder Ludwig Peter
1655Hans Georg Hageloch
1664Emanuel Stimmer
1672Hans Thomas Forrer
1676Melchior Pfister
1679Heinrich Peter
1684Emanuel Stimmer
1687Baltasar Bäschlin
1689Hans Martin Stierlin
1690Bernardin Pfister
1691Adam Erni
1711Melchior von PfisternBürgermeister 1722 bis 1736, spendete diverse Becher, zwei sind erhalten geblieben
1722Emanuel Stimmer
1722Hans Jakob Stierlin
1736Balthasar PfisterBürgermeister 1749 bis 1763
1748Heinrich Pfister
1749Melchior von Pfistern1762 abgesetzt
1762Johann Jakob Pfister
1767Johann Heinrich Pfister
1790Balthasar Pfister
1791Johann Konrad Stierlin
1792Johann Balthasar PfisterBürgermeister 1803 bis 1822
1813Johann Konrad StierlinBürgermeister 1804 bis 1825
1826Johannes Meyer
1831Georg Michael StierlinRegierungsrat
1856Carl Friedrich Pfister-Spleiss
1876Albert Stierlin-Kesselring
1886Conrad Habicht-OechslinStadtpräsident 1891 bis 1893
1920Albert Habicht-Kolb
1943Fritz MoserStadtrat
1955Oskar BekKantonsrichter
1963Edwin SpleissMalermeister
1967Wolfram FehrlinDr. iur.
1979Tobias ErmatingerZuckerbeck
1991Rolf Schmid
1999This FehrlinLehrer
2012Christian BeckMunotwächter
2018Johannes ErmatingerUnternehmensberater
heuteBenjamin Stollamtierender Zunftmeister

Den heutigen Vorstand der Zunft finden Sie auf der Seite Vorstand.

600 Jahre Zunftverfassung

Das Zunftjahr 2011 stand ganz im Zeichen der Feierlichkeiten zu 600 Jahre Zunftverfassung. Auch die Metzgerzünfter haben mitgefeiert.

Zünfter im Umzug durch die Schaffhauser Altstadt
Zunftumzug durch die Altstadt – Bilder wie dieses prägten das Jubiläumsjahr 2011.

Dreikönigsumzug am 6. Januar 2011

Begonnen hat das Jahr mit einem Dreikönigsumzug, einem gelungenen Anlass, der trotz Regen und defektem Mikrofon bei so manchen Schaffhausern die Sehnsucht nach weiteren solchen Umzügen weckte.

Jubiläumsanlass und Galaabend am 2. Juli 2011

Der Jubiläumsanlass mit anschliessendem Galaabend anfangs Juli 2011 hat zwar etwas weniger Zünfter mobilisieren können als erwartet. Aber die Bilder lassen erahnen, dass jene, die nicht dabei waren, etwas verpasst haben.

Bartholomäusmarkt vom 26. bis 28. August 2011

Unter dem Motto «Das Mittelalter ist zurück» fand Ende August der Bartholomäusmarkt statt. Auch hier sagen die Bilder mehr als Worte.

Sonderausstellung im Museum zu Allerheiligen

Vom 15. Mai 2011 bis 6. Januar 2012 zeigte das Museum zu Allerheiligen in Schaffhausen die Sonderausstellung zum Thema «Leben in der Zunft».